Mein Weg zur Kunsttherapie - einige wenige Stationen

Gibt es ein Ab-mal-gen ?

Beizeiten hat mein malender Großvater mir seine liebsten selbstgemalten Landschaften vorskizziert, die ich dann farblich vollendete. Oder er stellte mir Dinge hin, die ich abmalen konnte. Eine lila Tulpe im schmalen Glas oder die Elster aus dem Vogelbuch…  An diese Bilder denke ich heute noch gern.

Innere Bilder

Sobald ich frei aus mir selbst heraus malte, erzählte ich eher Geschichten oder spielte mit den Farben, wie es mir gefiel. Ich malte auch Dinge, die sich mir in Ihrer Symbolik überhaupt noch nicht erschlossen, einfach aus einem inneren Drang heraus.

Gemalte Berge

In einer Zeichenschule verbrachte ich ein entspanntes erstes Schuljahr bei einem älteren Herrn, der Techniken beibrachte und jedem in seiner Art zu malen einfach lies. So kam ich in eine sehr produktive Malphase. Als er überraschend verstorben war und eine junge Frau den Unterricht übernahm, stand die realistische Malerei und Grafik sehr im Vordergrund. Einmal zeigte ich ihr meine Bilder mit zwei warmgrünen Bergen mit bedeckten Schneespitzen. Mit abschätzigen Ton hörte ich sie sagen: „So etwas kannst Du gar nicht malen, Du warst noch nie da.“. Ich aber dachte, dass es so mit Menschen sei, jeder ist eine Art Berg und ist unterschiedlich weit mit Eis bedeckt.

Jahre später sah ich diese Lehrerin in einem Arbeitskontext wieder. Sie war unterdessen Kunsttherapeutin für Suchterkrankte geworden.

Die Couch

Auf einer Palliativstation erzählte mir eine ältere Dame, an Krebs erkrankt, von Ihrer Couch. Goldgelber Bezug und verschnörkelte Beine aus Holz. Sie lag auf der Station, in dem Wissen, nie wieder nach Hause zu kommen. Während des Erzählens ging es um die Verabschiedung von der Couch. Beim Malen dieser zeigte sich eine ganz andere Verabschiedungsebene. Während ich unsere damalige grüne Couch malte, mit Beinen, Holz und Stoffen, enthielt das Bild der Dame den oberen Teil der Couch, alles stimmig und vollständig vorhanden, malerisch sehr zart und fein beschrieben, den unteren Teil malte Sie allerdings nicht. Ein typisches Phänomen bei sterbenden Menschen: das Irdische, der untere Bereich spielt immer weniger eine Rolle. Die Couch war ein Selbstsymbol, in dem Sie ausdrücken konnte, wie Ihre Verabschiedung von dieser Welt sich vollzog.

Frühtraumatisierung

Das nicht nur Gutes und Wohltuendes in Bildern steckt, war mir vertraut, es aber bei vielen Patienten zu sehen und zu erleben, war der Anlass, eine weitere Vertiefung durch eine Weiterbildung zu absolvieren. Bilder enthalten immer eine Ebene, die nicht sofort bewusst und zugänglich ist. Stammt diese von Erlebnissen, die nicht integriert werden konnten, kann das sehr verwirrend und auch angstmachend sein. Das Hilfreiche ist dann, die Verarbeitungsstrukturen bei Traumatisierungserfahrungen zu kennen, Techniken zu lernen, wie eine solche rekonstruiert werden und dann verarbeitet werden kann, damit diese gebundene Lebensenergie wieder frei zur Verfügung steht.

Altersspektrum meiner Arbeit

Die Weite des Altersspektrums ergibt sich einerseits durch meine Ausbildung zur therapeutischen Arbeit mit Menschen an sich. Andererseits vollzieht sich, neben den alterstypischen Gegebenheiten, der  Prozess des malerischen Ausdrucks und der dahinterstehende Entwicklungsprozess  über die Lebensspanne hinweg ähnlich. Letztendlich wurde über die Jahre mein Angebot von Menschen unterschiedlichen Alters nachgefragt und ich verdanke dieser Zusammenarbeit meine berufliche Prägung und Weiterentwicklung.

Danke all denen, die ich bisher auf Ihren Wegen begleiten durfte, die Ihre Bilder, den Prozess Ihrer Entstehung und Ihren Entwicklungsprozess mit mir teilten!

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